Gurnigel 2019 - Amweg Motorsport

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Gurnigel 2019

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Gurnigel: Überraschungen im Regen
Peter Wyss | 08. September 2019 (kopiert mit freundlicher Genehmigung von Peter Wyss)

TAGESSIEG FÜR AMWEG Bei wechselhafter Witterung feierte Thomas Amweg beim Bergrennen Gurnigel seinen ersten nationalen Tagessieg. Eric Berguerand und Andy Feigenwinter stehen als Schweizer Meister ihrer Kategorien fest.


Roger Schnellmann fand bei den schwierigen Bedingungen die richtige Dosis. Die Belohnung ist der zweite Gesamtrang inmitten der Rennwagen (Fotos Action: Ramon Hänggi).

Bei den Trainingsläufen der Nationalen und dem Rennen der Regionalen zeigte sich das Wetter im Gantrischgebiet am Samstag noch recht freundlich. Wie befürchtet, regnete es am Sonntag teilweise heftig, nur um die Mittagspause herum lichteten sich die dunklen Wolken.

Bei den schwierigen Bedingungen waren Regenreifen über den ganzen Tag somit die bevorzugte Wahl aller Fahrer. Wegen der nasskalten Witterung hielt sich auch das Zuschaueraufkommen in Grenzen – für sein Jubiläum als 50. Nationales Bergrennen hätte der organisierende Verein Bergrennen Gurnigel wahrlich bessere äussere Bedingungen verdient gehabt.

Erstens kommt es anders…
Wie in der Formel 1 oftmals passiert, sorgte die wechselhafte Witterung beim siebten und vorletzten Lauf zur Schweizer Berg-Meisterschaft für einen spannenden Rennverlauf in allen Klassen und Kategorien. Es brachte sogar einen neuen und absolut verdienten Tagessieger hervor, obwohl es nach den drei trockenen Trainingsläufen der Rennsportwagen nach der üblichen Reihenfolge aussah. Mit 1’40,56 lag Eric Berguerand nur wenig über seinem eigenen Streckenrekord, gefolgt von Marcel Steiner (+2,10) und Thomas Amweg (+5,16).

… und zweitens als man denkt
Steiner schwammen die Felle schon im ersten Rennlauf sprichwörtlich davon. Mit seinem LobArt-Sportwagen fand er keinen Grip, zudem war es bei ihm noch deutlich nasser als nach einem Unterbruch bei den später gestarteten grossen Rennwagen. Steiners Vorlage von 2’10,41 unterbot Thomas Amweg im Lola B99/50 prompt um mehr als sechs Sekunden. Mit 2’12,00 blieb Eric Berguerand noch deutlicher zurück, da unerklärliche Elektronikprobleme im zweiten Streckenteil die Schaltung beeinträchtigten. Mit seiner Tourenwagen-Bestzeit in 2’10,98 setzte sich Roger Schnellmann im Mitsubishi zwischen die schnellsten E2-Piloten.


Er packte die grosse Chance. Bei Thomas Amweg und seinem Lola B99/50 F3000 mit Sauber-F1-Spoiler passte am Sonntag im Regen alles.

21 Jahre nach dem letzten Sieg seines Vaters
Bei Regen vermochte sich Steiner im zweiten Durchgang zwar um mehr als zwei Sekunden zu steigern. Nach einem weiteren Unterbruch waren die Verhältnisse für die grossen Rennwagen danach wieder besser. So knallte Amweg mit 2’01,02 die schnellste Einzellaufzeit in die 3735 Meter lange Piste von Dürrbach ins Gurnigelbad. Mit 2’02,76 kam ihm Berguerand mit dem nun gut laufenden Lola FA99-Cosworth am nächsten. In der Addition der beiden Zeiten behielt Amweg mit 4’05,35 klar die Oberhand.

21 Jahre nach seinem Vater Fredy Amweg, der von 1973 bis 1998 am Gurnigel insgesamt 20-mal siegte, verewigte sich nun der Sohn in den Annalen des ältesten Bergrennens der Schweiz. Nach drei Tagessiegen mit historischen Formel-2-Rennwagen beim Arosa-ClassicCar-Bergrennen bedeutet die für den 34-jährigen Aargauer den ersten Gesamtsieg bei einem Lauf zur Schweizer Berg-Meisterschaft. Zurückzuführen ist dies nicht nur auf das unbestrittene Fahrkönnen, sondern auch auf die Cleverness seiner Formel-1-erfahrenen Mechanikercrew.

  • Thomas Amweg: «Über die zweite Zeit habe ich mich selbst erschrocken. Wir ahnten, dass heute etwas drin liegt. Wir sind in der Abstimmung in eine aggressive Richtung gegangen und haben das Fahrwerk für Regen weich eingestellt. Es gab ja nichts zu verlieren. Das hat sofort funktioniert, nachdem dies im Regen von Anzère noch ganz anders war.»


Unerwartetes Podium (von links): Roger Schnellmann, Tagessieger Thomas Amweg und der neue Schweizer Meister Eric Berguerand (Foto: Peter Wyss).

Berguerand gewinnt die SM 2019 vor Steiner und Faustini
Das überraschende Resultat war nach der jahrelangen Vorherrschaft durch Steiner und Berguerand nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern brachte auf diese Weise auch die Meisterschaftsentscheidung. Trotz der ersten Saisonniederlage steht Eric Berguerand als Schweizer Bergmeister 2019 fest, da Marcel Steiner nun auch im Falle eines Rekordsiegs am nächsten Sonntag in Les Paccots und einem Nuller des 40-jährigen Walliser noch um einen Punkt zurück läge! Steiner ist der Vizemeistertitel ebenso wenig zu nehmen wie Robin Faustini nach dem vierten Platz bei den Rennwagen der dritte SM-Schlussrang.

Dramatik auch bei den Zweiliter-Rennwagen, die Philip Egli im Dallara F393 für sich entschied. Seine zweite deutliche Laufbestzeit nützte Marcel Maurer im Tatuus-Renault nichts mehr, nachdem er sich im ersten Versuch gedreht hatte. Nach dem ersten Lauf noch der schnellste Zweiliterpilot überhaupt, fiel Michel Zemp im Norma-Sportwagen durch eine vom Konkurrenten vor ihm verschmierte Fahrbahn im Gesamtklassement weit zurück. Im Training war er mit 1’49,5 noch der Fünftschnellste unter den 185 nationalen Konkurrenten.

Schwerer Unfall von Bratschi
Bei den Tourenwagen wurde das Duell zwischen Ronnie Bratschi und Roger Schnellmann auf brutale Weise entschieden. Nach einem Kupplungsschaden im Training war Bratschi froh, dass das dritte Training der Gruppe E1 erst am frühen Sonntagmorgen stattfand. Mit 2’06,82 fuhr der Urner bei Nässe eine schier unglaubliche Bestzeit, die fürs Rennen wie im Falle des am Samstag mit 1’56,612 gemessenen Schnellmann einen Vorstoss unter die schnellsten Rennwagen erwarten liess.

Im schnellsten Streckenteil im oberen Waldstück verlor Bratschi seinen Mitsubishi aus noch ungeklärten Gründen aus der Kontrolle («Die Linie stimmte perfekt, als das Auto hinten plötzlich ausbrach»), überschlug sich mehrmals und landete im Wald. Dank der robusten, selbst gebauten Zelle entstieg er dem Wrack unverletzt.


Romeo Nüssli gelang beim ersten SM-Start 2019 gleich ein Top-Resultat. Der Anfang Mai bei einem Unfall in Luxemburg beschädigte Ford Escort war bei Tuner Gabat in Österreich in Reparatur.

Zweiter Gesamtrang an Schnellmann
Ein Rutscher im unteren Wald war für Schnellmann hingegen ein Warnschuss, um etwas Tempo rauszunehmen. Den zweiten Heat nahm die Gruppe E1 als letztes Rennfeld bei deutlich besseren Bedingungen als bei den Rennsportwagen in Angriff, Dabei gelang Schnellmann das Vorhaben, nicht nur Steiner vom Gesamtsiegerpodium zu stossen, sondern auch Berguerand vom zweiten Gesamtrang zu verdrängen.

Stark auch die Leistung von Romeo Nüssli, der im Ford Escort Cosworth auf den fünften Gesamtrang fuhr, und dies trotz Ausfalls des ABS im ersten Rennen seit dem Unfall im Frühjahr in Eschdorf (L). Gérard Nicolas powerte seinen ebenfalls allradgetriebenen Ford Escort Cosworth WRC zum Sieg in der Gruppe IS, in der Vanessa Zenklusen in ihrem Subaru Impreza Type R als Klassensiegerin und 14. im Gesamtklassement trotz Ladedruckproblemen ebenfalls beeindruckte.


Vanessa Zenklusen liebt die technische Gurnigel-Rennstrecke. Obwohl der Subaru nicht einwandfrei lief, gelang ihr ein Glanzresultat.

Andy Feigenwinter ist praktisch Meister
Ihnen allen stahl aber einer unbemerkt die Show. Andy Feigenwinter liess Röbi Wicki auch trotz Allradantrieb im Mitsubishi Lancer Evo VI keine Chance. Der Reinacher war mit seinem Lotus Exige 430 Cup im Nassen und im Trockenen klar schneller und bliebt so in der Gruppe SuperSerie ungeschlagen.

Roger Schnellmann hätte zwar nach dem vierten Saisonsieg noch theoretische Chancen auf den Meistertitel, verzichtet aber auf die Teilnahme beim letzten Bergrennen in Les Paccots. Der sichere Vizemeisteritel ist nach Bratschis Ausfall eh mehr, als der Fahrlehrer aus Wangen SZ anstrebte. Feigenwinter steht dadurch praktisch als Bergmeister bei den Tourenwagen fest, will dies aber am nächsten Sonntag mit einem weiteren Top-Resultat allen glasklar machen. Wir gratulieren ihm und Eric Berguerand schon mal!


Diebische Freude: Andy Feigenwinter steht als Tourenwagen-Bergmeister fest. Nur Schnellmann hätte noch Titelchancen, nimmt diese aber nicht wahr.
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